Prof. Dr. Rita Süssmuth

„Notwendiger Mut zu konsequenter Bildungsreform"

Bildung für alle

Beruflich komme ich aus dem Bildungsbereich: Schule – Hochschule – vergleichende Bildungsforschung. In diesem Feld habe ich mich auch nach der aktiven Parlamentszeit weiterhin engagiert.

Bildung für alle, das erfordert mehr als Pflichtschule für alle. Zukunft haben Menschen nur in den Ländern, in denen Bildung für den Alltag in der Wissensgesellschaft mit Anforderungen an theoretisches und praktisches Lernen vermittelt wird. Neben fachlichen Qualifikationen werden soziale Kompetenzen, Teamfähigkeit und Aufgabenbearbeitung in heterogenen Leistungsgruppen erwartet.

Die Förderung der besten Köpfe muss einhergehen mit der Lernförderung aller. Eine Gesellschaft mit geringen Geburtenraten, einem wachsenden Anteil an Migranten und Bildungsbenachteiligten muss alle Möglichkeiten ausschöpfen, Menschen zu begaben, für Lernen zu interessieren und lernfähig zu machen.

Das erfordert konsequentes Umdenken in den Bildungsstrukturen, den Bildungsinhalten und den Lernmethoden. Lange dominierte die Weigerung, diese Aufgaben anzupacken und sich wie die allermeisten Staaten einer inneren und äußeren Schulreform zu stellen. Das betrifft die inzwischen anerkannte Frühförderung, die Übergänge vom Kindergarten zur Grundschule, das längere gemeinsame Lernen, die Reduktion der Sitzenbleiber und der Schulabgänger ohne Schulabschluss. Die Lehrerbildung kehrt zurück ins Rampenlicht. Und selbst der Tabubereich der föderalen Zuständigkeiten mit 16 unterschiedlichen Bildungsverläufen ist längst in der Revisionsdebatte. Selbst das lebenslange Lernen, die Notwendigkeit des nicht endenden Weiterlernens ist nicht länger eine Privatangelegenheit, sondern wird öffentliche Aufgabe und persönliche Verpflichtung. Bildungschancen sind nach wie vor in hohem Maße abhängig von der sozialen Herkunft. 12 Prozent der Kinder wachsen in „bildungsfernen" Elternhäusern auf. 20 Prozent der jungen Generation sind nur bedingt ausbildungsfähig.

Das kann und muss sich ändern. Das Bildungspotenzial ist vorhanden, Veränderungen sind möglich.
Das erfordert geistige und finanzielle Investitionen. An guten Pädagogen und guten Schulen fehlt es nicht. Das zeigen die Schulpreise, gerade auch für öffentliche Schulen.

Aber es fehlt an flächendeckender Umsetzung, die von vielen Engagierten in Bildung, Wirtschaft und vor allem von den politischen Entscheidern in breiter Kooperation vorangebracht werden muss.

Seit 1988 engagiere ich mich im Bereich Bildung als Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes (DVV). Ich arbeite als Präsidentin des buddy e.V. (Verein zum Erwerb sozialer Handlungskompetenzen von Schülerinnen und Schülern) und als Vorsitzende des Kuratoriums der TU Berlin.

Verweise/Links:

  • Deutsche Volkshochschulverband (DVV)
  • buddY e.V.
  • Technische Universität Berlin