Prof. Dr. Rita Süssmuth

Polen - ein wichtiges Engagement

Die friedliche Revolution in Polen und der Fall der Berliner Mauer sind historisch eng miteinander verwoben. Beide Ereignisse fielen in meine erste Amtszeit als Präsidentin des Deutschen Bundestages. Es war eine ungemein aufregende und spannende Zeit, seit der mich eine enge Freundschaft später auch mit dem ehemaligen Außenminister Władysław Bartoszewski und mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Lech Wałęsa verbindet. Heute ist Polen ein selbstbewusster und konfliktbereiter Partner, geprägt von einer großen pro-europäischen Einstellung innerhalb der polnischen Bevölkerung, welcher eine immer größer werdende Rolle in unserer Staatengemeinschaft einnimmt.

Polen ist uns ein äußerst wichtiges Anliegen. Wir Deutschen konnten nicht erwarten, dass die Beziehungen sich so positiv entwickeln würden nach all´ dem Leid, das Polen durch das Nazi-Deutschland erfahren musste.

Mein heutiges Engagement in den Deutsch-Polnischen Beziehungen liegt vor allem im akademischen und wissenschaftlichen Austausch zwischen den beiden Ländern. Ohne die Pionierarbeit z.B. der Humboldt-Stiftung zu Zeiten des Kalten Krieges außer Acht zu lassen, gab es in diesem Bereich auch in den ersten Jahren nach dem Fall der Mauer nur wenig Austausch. Die Neugründung der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder mit ihrem Schwerpunkt auf Polen und Osteuropa im Jahr 1991 war ein erster Schritt. Heute gehört Polen zu den wichtigsten Partnern Deutschlands im Wissenschaftstransfer. So ist Polen beispielsweise ein wichtiger Pfeiler in der internationalen Ausrichtung der Max-Planck-Gesellschaft, an deren Instituten parallel über 100 Projekte mit polnischen Partnern laufen. Jährlich fördert der DAAD darüber hinaus den Aufenthalt von über 20.000 deutschen Studenten in Polen.

Doch leider gibt es noch immer viel ungenutztes Potenzial, vor allem auch viel Asymmetrie in den Beziehungen. Das deutsche Interesse für unser Nachbarland kann erheblich gesteigert werden. Um diese Ziele zu erreichen, engagiere ich mich als Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Polnischen-Wissenschaftsstiftung (DPWS), die vor allem im Bereich der Geistes-, Kultur- sowie der Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften aktiv ist, und als Präsidentin des Deutschen Polen Instituts (DPI).

Verweise/Links:

  • Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS)
  • Deutsches Polen Institut (DPI)
  • Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG)